Beschnuppern in der Sonne

 

VON ALEXANDER BAUMBACH, 02.05.12, 19:05h
Besuch im Tierheim
Der Jack-Russell-Terrier-Mix Milo fühlte sich pudelwohl beim Besuch im Tierheim. (FOTO: ALEXANDER BAUMBACH)
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WITTENBERG/MZ. Seit 14 Jahren ist der Tag der offenen Tür im Wittenberger Tierheim Tradition. Er findet immer am 1. Mai statt. "Aber das ist ja nicht alles", erzählt Jürgen Krause, der Vorsitzende des Tierschutzvereins mit verschmitztem Lächeln. "Wir sorgen seit 14 Jahren für Sonnenschein."

Dem Volksfest-Charakter ist das natürlich zuträglich - kommen doch viele Familien mit Kindern hinausgefahren in die Belziger Chaussee, der umliegende Wald spendet Schatten. Bratwurststand, Zapfanlage sorgen für gefüllte Bäuche. Dass dabei die Tiere, um die es ja eigentlich geht, nicht in den Hintergrund treten, dafür sorgen Marion Malbrich und ihr Team. Die Vorführung der Hundeschule steht eben gleichberechtigt neben dem Auftritt von "Tinas Tanzmäusen". Am Eingang wird um Unterschriften für eine Novellierung des Tierschutzgesetzes gebeten. An den 618 bereits gesammelten Autogrammen kann man auch ungefähr sehen, wie beliebt der Tag im Tierheim in der Bevölkerung ist.

Bei einem Rundgang kann man sich nicht nur davon überzeugen, dass die kleinen Insassen artgerecht und bequem untergebracht sind, sondern potenzielle Herrchen und Frauchen können auch schon mal die vierbeinige Besatzung des Tierheims unter die Lupe nehmen. Gerd Jung aus Bülzig ist so einer. "Unser Hund daheim wird langsam alt, und da klappere ich mit meiner Frau die Tierheime in der Umgebung ab. Wir schauen schon mal nach einem zukünftigen Nachfolger", erzählt er. Und auch Henning Schulz und Laura Schüler sind mit ähnlichen Hintergedanken ins Tierheim gefahren. Die Suche nach einem Graupapagei blieb allerdings erfolglos. Selbst, wenn sie einen gefunden hätten - am Tag der offenen Tür werden sowieso keine Tiere übergeben. Das macht die Tierheimleitung dann lieber in Ruhe. Bis dahin können sich die tierischen Bewohner des Heimes wohlfühlen. Im letzten Jahr wurden neue Katzenausläufe geschaffen und ein Mehrzweckhaus fertig.

Für das kommende Jahr plant der Verein eine Auffangstation für verwilderte Katzen sowie einen Hunde-Übungsplatz für Langzeit-Gäste aufzubauen. "Die wollen ja auch geistige Förderung, wenn sie hier schon leben müssen", erzählt Jürgen Krause.

 


 

Beim Besuch von Agrar- und Umweltminister Hermann Onko Aeikens (r.) im Wittenberger Tierheim wurde auf Anregung von Jürgen Krause (l.) der Runde Tisch ins Leben gerufen, der einmal im Jahr in Magdeburg zu Belangen des Tierschutzes tagt.

Beim Besuch von Agrar- und Umweltminister Hermann Onko Aeikens (r.) im Wittenberger Tierheim wurde auf Anregung von Jürgen Krause (l.) der Runde Tisch ins Leben gerufen, der einmal im Jahr in Magdeburg zu Belangen des Tierschutzes tagt. Foto: Wolfgang Gorsboth

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Wolfgang Gorsboth

Runder Tisch für Tiere

aktualisiert am 24.04.2012 um 14:39:07


Überholter Erlass: Tierheime sind unterfinanziert

Minister Hermann Onko Aeikens (CDU) kommt Forderungen der Tierschützer entgegen.

Wittenberg/Magdeburg (wg).
„Der Runderlass für Fundtiere wird verbessert, außerdem nimmt das Land Sachsen-Anhalt wieder die institutionelle Förderung für den Tierschutz auf“, informiert Jürgen Krause über die Ergebnisse des zweiten Runden Tisches zur Lage der Tierheime im Land. „Mit Agrar- und Umweltminis-ter Hermann Onko Aeikens haben wir einen kompetenten Ansprechpartner gefunden, der die Sorgen und Nöte der Tierheime ernst nimmt.“

Jürgen Krause, Vorsitzender des Tierheimvereins Wittenberg und stellvertretender Landesvorsitzender des Deutschen Tierschutzbundes, war Hauptinitiator des Runden Tisches in Magdeburg: „Die Tierheime brauchen für die Aufgaben, die sie im Auftrag der Kommunen übernehmen, eine kostendeckende Erstattung.“ Die Realität sei davon jedoch weit entfernt: Im Durchschnitt übernehmen die Kommunen nur 25 Prozent der im Tierheim anfallenden Kosten, rufen aber knapp 80 Prozent der Leistungen ab.

„Wir begrüßen deshalb, dass das Fachministerium den Runderlass von 1996 verbessern will“, berichtet Krause. Denn bei den Kommunen gebe es unterschiedliche Rechtsauffassungen darüber, ob es sich um ein Fundtier oder um ein ausgesetztes Tier handelt. Auch wenn die Behörden selbst die Tiere ins Heim brächten, seien sie oft nicht bereit, die Pflegekosten zu übernehmen. Viele Tiere blieben zudem immer länger in den Heimen, dadurch steigen die Kosten erheblich.

„Nach langer Unterbrechung will das Land für die Haushaltsjahre 2012 und 2013 wieder jeweils 93.000 Euro für den Tierschutz zur Verfügung stellen“, informiert Krause. Damit könnten Inves-titionen gefördert werden. Auch über die Auswirkungen des Gesetzes über gefährliche Hunde wurde in Magdeburg am Runden Tisch beraten: „Bei einem so genannten Vermutungshund kann der Halter oft weder den Wesenstest noch die Steuer bezahlen.
Der Hund kommt trotz normalen Verhaltens ins Tierheim, seine Vermittlung ist sehr schwierig.“ Hunde, die bereits gebissen haben, verbleiben meist bis ans Lebensende im Tierheim, die Kosten will keiner übernehmen. Mit den Konsequenzen des Gesetzes wird sich eine neu gebildete Arbeitsgruppe auf Landesebene befassen.

„Wir haben den Minister auch über die Personalsituation in den Tierheimen informiert“, sagt Krause, „die Job-Center fördern nur noch junge Leute, zielführender für uns wären ältere Arbeitnehmer über 55 Jahren, die bis zum Renteneintrittsalter bei uns arbeiten.“ Überdies bekomme der Tierschutz keine Ein-Euro-Jobber mehr. Dafür signalisiert das Fachministerium eine Verlängerung des 2011 gestarteten Projektes zur Förderung des Tier-, Umwelt- und Naturschutzes bei Kindern und Jugendlichen für 2012 und 2013. „Mit diesem Projekt wollen wir junge Leute gezielt an die Tierschutzarbeit heranführen, denn ohne Ehrenamt läuft hier nichts“, so Krause.

Tierheim lädt ein: Tag der offenen Tür

Der 1. Mai ist traditioneller Tag der Tierfreunde.

Wittenberg (red). Alle Tierfreunde aus der Region sind am Dienstag, dem 1. Mai in der Zeit von 10 bis 17 Uhr herzlich willkommen zum Tag der offenen Tür im Tierheim Wittenberg. Gründe für eine fröhliche Feier gibt es genug: „Mit Hilfe unserer Freunde und Sponsoren konnten wir im vergangenen Jahr erneut viel für die Verbesserung der Lebensbedingungen unserer Tiere tun“, berichtet Krause. Das kommt nicht nur den Fundtieren zugute, sondern auch den Pensionsgästen, die während des Urlaubs von Herrchen oder Frauchen vom Tierheim betreut werden.

Bei einem Rundgang können sich Besucher über die artgerechte Unterbringung der Hunde, Katzen, Kleintiere und Vögel informieren. Am Eingang dokumentiert die Plakette des Deutschen Tierschutzbundes, dass die Wittenberger Einrichtung vorbildlich geführt wird: „Wir sind stolz auf diese Auszeichnung, denn sie zeigt, dass wir den hohen Anforderungen des Tierschutzes gerecht werden“, sagt Tierheimleiterin Marion Malbrich. Zum Tag der offenen Tür gibt es ein attraktives Rahmenprogramm, für die kulturelle Unterhaltung sorgen DJ Papa Schulze und Tinas Tanzmäuse. Wertvolle Informationen rund ums Tier vermitteln eine Hundefriseuse, ein Hundedoktor, der auf Homöopathie setzt und ein Tierpsychologe.

Außerdem werden Unterschriften für ein neues Tierschutzgesetz gesammelt. Für das leibliche Wohl ist bestens gesorgt, es gibt original ungarischen Kesselgulasch, Mutzbraten, Steak und Bratwurst, Kaffee und Kuchen sowie diverse Getränke. Der Erlös aus dem Verkauf der Speisen und Getränke kommt wie immer den Tieren zugute.